
Modellbau
Die 28 Modelle, die heute in Sachseln ausgestellt sind, stellen übrigens nur einen Teil von Christian Sigrist tatsächlich existierenden Modellen dar, wenn auch sicher den wesentlichen. Verschiedene Modelle hat er mit geringfügigen Abwandlungen zwei- oder gar mehrfach ausgeführt. Daneben gibt es zahlreiche Modellfragmente, möglicherweise Vorstudien oder schliesslich aus irgendwelchen Gründen nicht verwendete Figuren, Tiere oder Objekte, die den Künstler dann an Freunde oder interessierte Bekannte verschenkte. Die meisten dieser Dinge befinden sich sorgsam gehütet in Privatbesitz. Erwähnenswert ist auch die winzige Handsäge, die er als Abzeichen der Festteilnehmer anlässlich der Eröffnung "seines" Museums in grösserer Anzahl herstellte. Es ist eine meisterhafte Verkleinerung des Originalwerkzeugs und zeigt die Ernsthaftigkeit des Künstlers, mit welcher er auch die unscheinbarsten Aufgaben anpackte.
Zwei Modelle Christian Sigrists scheren aus dem Obwaldner Lebensraum aus verschiedenen Gründen aus. Sie dürfen hier dennoch nicht unerwähnt beleiben, gehören sie dennoch zu den dimensionsmässig grössten, die er geschaffen hat. Sie haben zudem eine beträchtliche Spanne sind Auftragsarbeiten von Grossfirmen, die Christian Sigrist baten, die Anfänge ihrer Tätigkeit und ihres Gewerbes auf seine bekannte Art darzustellen.
Der Besitzer der bekannten französischen Messerfabrik "Opinel" hatte die Ausstellung im Schloss A Pro in Seedorf besucht und war so beeindruckt davon, dass er in der Folge Christian Sigrist den Auftrag erteilte, die traditionelle Messerherstellung in Modell darzustellen. Wie genau Christian Sigrist seine Aufgabe nahm, zeigt die Tatsache, dass er dieses ihm doch nicht sehr naheliegende Motiv sogar in zwei Versionen ausführte. Das eine Modell wurde nach Frankreich geliefert, das andere befindet sich heute im Besitz des Vereins Christian Sigrist, ist jedoch im Museum in Sachseln nicht ausgestellt.
Auf ihr 150-Jahre-Jubiläum im Jahre 1984 versuchte die Luzerner Brauerei Eichhof einen Weg zu finden, um die Bierherstellung in früheren Zeiten anschaulich zu machen. Dies führte schliesslich zur gutgemeinten Idee, die Arbeitsabläufe durch Christian Sigrist in seiner gewohnten Art darstellen zu lassen. Auf diese Art entstand das dimensionsmässig grösste Modell, das Christian Sigrist in seinem Leben geschaffen hat. Auch ihm gingen umfassende Studien und Gespräche über die zahlreichen Arbeitsabläufe und die dabei benötigten Apparate und Geräte voraus. Mit der gleichen Liebe und dem gleichen Interesse an jeglichem menschlichen Tun, wie er es bei seinen ländlichen Arbeitsszenen an den Tag gelegt hatte, führte der Künstler auch diese beiden Aufträge aus.
Dennoch lässt sich der Gedanke nicht verscheuchen, dass Christian Sigrist in diesen beiden Auftragsmodellen seine eigene Erfahrungswelt verliess und sich seine Aufgabe nicht mehr selber aus einem inneren Bedürfnis heraus stellte. Er war auf Schilderungen und Beschreibungen anderer angewiesen. In diesem Sinne betrachtet sind diese Auftragsmodelle in Christian Sigrists Gesamtschaffen doch eher eine Episode. Seine faszinierenden "Erinnerungen an den ländlichen Alltag" sind letztlich wohl von grösserer Bedeutung. Bei ihrem Anblick spürt man, dass er etwas zur Sprache brachte, das ihn innerlich bewegte. Er tat das mit einer tiefen inneren Verbundenheit und Sympathie und fand dafür nötige schlichte Form. Am 12. Mai 1987 ist Christian Sigrist im Alter von 81 Jahren gestorben. Dadurch hat die Modellreihe ihren gezwungenen Abschluss gefunden. Möglicherweise wirkte auch das Museum letztlich hemmend auf eine weitere Tätigkeit. Es wirkte alles so "abgeschlossen"; und es war ja kein Platz mehr für weitere Modelle vorhanden... Jedenfalls entstanden in der Folge nur noch kleinere Arbeiten. Verschiedene Szenen, die ihm vorschwebten, konnte er leider nicht mehr ausführen. Das Modell der Verbauung eines Wildbaches ist im Stadium der Idee steckengeblieben. Es fehlen auch die Szenen aus dem Brauchtum. Auch sprach er davon, vielleicht ein Schwing- und Älplerfest oder eine kirchliche Prozession darzustellen. Dazu ist er leider nicht mehr gekommen. Soll man das bedauern? Der Besucher im kleinen Sachsler Museum nimmt diese "Lücken" kaum wahr. Christian Sigrists Gesamtwerk wäre zwar erweitert worden; aber vollendet ist es auch so - als Fragment. Es ist ein unwiederholbares Zeugnis der Welt, die den eigentlichen Sinn des Lebens in sich selber fand und geschlossen in sich ruhte.
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